Propolis ist ein harzartiges Bienenprodukt, das seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Kulturen geschätzt und verwendet wird. Es entsteht durch die Verarbeitung pflanzlicher Harze, Pollen und weiterer Sekrete durch Honigbienen und wird im Bienenstock hauptsächlich als Baumaterial und Schutzsubstanz eingesetzt. Propolis wird oft auch als „Kittharz“ bezeichnet, da die Bienen damit kleine Öffnungen und Ritzen verschließen. Bereits in der Antike waren die antiseptischen und konservierenden Eigenschaften von Propolis bekannt, weshalb es unter anderem zum Schutz von Wunden und Mumifizierungen verwendet wurde [1]. In verschiedenen traditionellen Medizinsystemen, etwa der Volksmedizin in Osteuropa oder dem alten Ägypten, galten Zubereitungen mit Propolis lange Zeit als bewährtes Mittel zur Förderung der Wundheilung.
Heutzutage wird Propolis in vielfältiger Form angeboten: als Tinktur, Kapsel, Salbe oder Pulver. Insbesondere im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel erfreut es sich wachsender Beliebtheit. Befürworter sprechen häufig von möglichen positiven Effekten auf das Immunsystem, die Mund- und Zahngesundheit sowie die allgemeine Vitalität. Doch wie stichhaltig sind diese Behauptungen? Dieser Ratgeber beleuchtet die Herkunft, Zusammensetzung und Verarbeitung von Propolis sowie mögliche Wirkungen und Risiken.
Was ist Propolis?
Herkunft und Entstehung
Propolis verdanken wir den Arbeitsbienen, die Harze und andere pflanzliche Stoffe sammeln, um damit den Bienenstock abzudichten und zu schützen. Die Bienen sammeln zunächst Harze von Bäumen, Knospen und Wunden an der Rinde – besonders häufig von Pappeln, Birken, Fichten oder Kastanien. Diese Harze enthalten zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, etwa Flavonoide und Phenole. Sobald das Harz im Bienenstock angekommen ist, wird es von den Bienen mit eigenen Enzymen, Wachs und Pollen vermischt, um daraus Propolis zu formen [2]. Das Ergebnis ist eine teils weiche, teils zähflüssige Masse, die je nach Umgebung dunkelbraun, rötlich oder sogar grünlich erscheinen kann.
Der Name „Propolis“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet in etwa „vor der Stadt“. Hierin spiegelt sich die Funktion wider: Propolis dient als eine Art „Stadttor-Verteidigung“ des Bienenstocks. Es verschließt nicht nur Ritzen und Spalten, sondern hemmt auch die Vermehrung von Keimen wie Bakterien oder Pilzen im Bienenstock [3]. Dadurch leistet Propolis einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit des Bienenvolkes.
Zusammensetzung und Variabilität
Propolis besteht in der Regel aus folgenden Hauptbestandteilen:
- Harze (etwa 50–60 %)
- Bienenwachs (ca. 30 %)
- Ätherische Öle (5–10 %)
- Pollen (etwa 5 %)
- Weitere bioaktive Substanzen wie Flavonoide, Phenolsäuren, Vitamine und Mineralstoffe [4]
Die genaue Zusammensetzung variiert jedoch stark und hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Pflanzenwelt der jeweiligen Region, der Bienenrasse und den vorherrschenden Umweltbedingungen. So kann Propolis aus tropischen Gebieten andere Eigenschaften haben als Propolis aus gemäßigten Klimazonen [5]. Ebenso können Pestizide, Umweltverschmutzungen oder landwirtschaftliche Praktiken Einfluss auf die Zusammensetzung nehmen.
In einigen Regionen wird Propolis nach Farben unterschieden: Man liest beispielsweise von braunem, rotem oder grünem Propolis. Diese Farbunterschiede resultieren aus den jeweils verwendeten Harzquellen. Brasilianisches Propolis (insbesondere grünes Propolis) wird häufig anders zusammengesetzt sein als europäisches oder asiatisches Propolis. Entsprechend unterscheiden sich die Gehalte an Flavonoiden, Phenolsäuren und anderen bioaktiven Komponenten [2].
Wirkmechanismen, Anwendungsbereiche und mögliche gesundheitliche Wirkungen
Propolis wird oftmals wegen seiner antimikrobiellen, antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften gelobt. Diese möglichen Wirkungen gehen auf das komplexe Zusammenspiel der enthaltenen Flavonoide, Phenolsäuren, Terpene, ätherischen Öle und anderer Substanzen zurück [6]. Zwar ist die Datenlage in manchen Bereichen noch lückenhaft, doch verschiedene Labor- und Tierstudien liefern Hinweise auf vielfältige biologische Aktivitäten.
Antimikrobielle Eigenschaften
In vitro konnte gezeigt werden, dass Propolis antibakterielle Effekte gegen verschiedene Bakterienarten besitzt, darunter grampositive und gramnegative Bakterien [7]. Weitere Studien deuten auf potenzielle antivirale Wirkungen hin, insbesondere gegen bestimmte Viren wie Herpesviren. Auch antimykotische Eigenschaften, also eine hemmende Wirkung auf Pilze, wurden in Laboruntersuchungen nachgewiesen [8]. Allerdings muss betont werden, dass viele dieser Befunde aus Reagenzglas-Studien oder Tierversuchen stammen. Eine direkte Übertragbarkeit auf den Menschen ist damit nicht zwangsläufig gegeben.
Antioxidative und entzündungshemmende Effekte
Ein zentrales Interessengebiet ist der mögliche antioxidative Effekt von Propolis. Freie Radikale und oxidativer Stress spielen bei vielen Krankheiten (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen) eine Rolle [9]. Laborversuche deuten darauf hin, dass die Flavonoide und Polyphenole in Propolis freie Radikale neutralisieren können und somit eine Schutzfunktion entfalten könnten. Außerdem werden entzündungshemmende Effekte diskutiert. Einige Studien beschreiben, dass Propolis-Verbindungen bestimmte Entzündungsmediatoren hemmen können, was in experimentellen Modellen zu einer Linderung von Entzündungsreaktionen führte [10].
Immunmodulatorische Wirkungen
Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Propolis in bestimmten Fällen eine immunmodulierende Wirkung haben kann, also die Aktivität des Immunsystems entweder stimuliert oder dämpft. In Laboruntersuchungen wurden beispielsweise erhöhte Aktivitäten von Makrophagen, T-Lymphozyten und natürlichen Killerzellen beschrieben [4]. Dennoch sind diese immunologischen Effekte aus wissenschaftlicher Sicht nicht abschließend geklärt. Kontrollierte, großangelegte Humanstudien fehlen oder sind nur vereinzelt verfügbar.
Weitere potenzielle Anwendungsbereiche
Aufgrund der oben erwähnten Eigenschaften wird Propolis in verschiedenen Kontexten diskutiert:
- Wundheilung: Traditionell wird Propolis als unterstützendes Mittel zur Wunddesinfektion und schnelleren Heilung genutzt. Einige pilotierte klinische Studien zeigen positive Tendenzen, allerdings fehlen oftmals größere Studienpopulationen, randomisierte Designs oder Placebo-Kontrollen [11].
- Mund- und Zahngesundheit: Propolis findet sich in manchen Mundspüllösungen oder Zahnpasten. Die antibakteriellen Eigenschaften sollen dazu beitragen, Karies verursachende Bakterien zu hemmen und Zahnfleischentzündungen zu reduzieren. Einzelne Studien beschreiben eine positive Wirkung auf die Zahnfleischgesundheit, während andere Studien die Datenlage als unzureichend einstufen [12].
- Immunsupport: In Nahrungsergänzungsmitteln wird Propolis häufig als Allround-Helfer für das Immunsystem beworben. Abschließende Belege für eine generelle immunstärkende Wirkung existieren jedoch nicht.
Wer sich für Propolis aus medizinischer Sicht interessiert, sollte im Auge behalten, dass viele Forschungsergebnisse bislang aus Reagenzglas- und Tierversuchen stammen. Dabei sind klinische Studien beim Menschen, die streng nach wissenschaftlichen Standards durchgeführt wurden, unverzichtbar, um eine eindeutige Aussage über Wirksamkeit und Sicherheit treffen zu können [2][5].
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
Obwohl Propolis als natürliches Bienenprodukt oft als unbedenklich gilt, kann es auch Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringen. Für gesunde Personen ohne Allergien besteht bei üblicher Dosierung meist kein akutes Gesundheitsrisiko. Dennoch sollten einige Aspekte beachtet werden.
Allergische Reaktionen
Eine der häufigsten Beschwerden sind allergische Reaktionen, insbesondere Kontaktallergien. Personen, die sensibel auf Bienenprodukte oder bestimmte Pflanzenharze reagieren, können bei der Anwendung von Propolis-Haltigen Salben, Tinkturen oder Cremes Hautreizungen bis hin zu Ekzemen entwickeln [6]. Wer bereits auf Bienenstiche, Pollen oder andere Bienenprodukte allergisch reagiert, sollte deshalb besondere Vorsicht walten lassen oder vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen. Selbst bei oraler Einnahme in Form von Kapseln oder Tinkturen können in seltenen Fällen Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten [6].
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Ein weiteres Thema ist die mögliche Beeinflussung von Medikamenten durch Propolis. Bisherige Daten sind zwar begrenzt, doch theoretisch kann Propolis die Blutgerinnung beeinflussen, was bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern relevant sein könnte [9]. Zudem könnten bestimmte Inhaltsstoffe die Leberenzyme beeinflussen, die an der Metabolisierung von Medikamenten beteiligt sind. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte daher im Zweifelsfall ärztlichen Rat einholen, bevor er Propolis-Produkte zu sich nimmt.
Qualitätsmängel und Verunreinigungen
Da Propolis ein Naturprodukt ist und Bienen verschiedene Quellen anfliegen, kann es zu Pestizidrückständen oder Umweltkontaminationen kommen, insbesondere in industriell oder intensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten [5][9]. Einige Studien zeigen, dass gerade Propolis aus Gegenden mit hoher Umweltverschmutzung teils höhere Konzentrationen an Schwermetallen oder anderen problematischen Stoffen aufweisen kann [2]. Verbraucher sollten daher auf seriöse und qualitätsgeprüfte Produkte achten.
Ein weiterer Faktor ist die Standardisierung. Propolis-Produkte können je nach Hersteller und Herkunft sehr unterschiedliche Mengen an Flavonoiden und anderen aktiven Substanzen enthalten. Teilweise ist überdies nicht klar deklariert, wie viel „reines Propolis“ tatsächlich in einem Produkt enthalten ist.
Aktuelle Forschungslage und Kontroversen
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Propolis ist umfangreich, aber auch heterogen. Während eine Vielzahl an In-vitro-Studien vielversprechende Resultate bezüglich der antimikrobiellen und antioxidativen Wirkung liefern, ist die Zahl qualitativ hochwertiger Humanstudien nach wie vor überschaubar. Manche Untersuchungen zeigen positive Effekte bei Wundheilung, Rachenentzündungen oder Zahnfleischproblemen. Allerdings bemängeln Experten die teils kleinen Stichproben, fehlende Placebo-Kontrollen oder andere methodische Schwächen [1][3][8].
Weitere Kritik von Fachleuten
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Variabilität von Propolis. Da Propolis kein uniformes Produkt ist und die Konzentrationen aktiver Substanzen stark schwanken, sind Studienergebnisse oft schwer zu vergleichen [2]. Diese fehlende Standardisierung erschwert es, seriöse Therapieempfehlungen auszusprechen. Da sich Propolis-Produkte hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und Bioverfügbarkeit unterscheiden, existiert auch keine einheitliche Dosierungsempfehlung,
Darüber hinaus weisen einige Mediziner und Wissenschaftler darauf hin, dass Aussagen über Wirkungen beim Menschen sich oft nur auf Tier- oder Laborexperimente stützen, während belastbare klinische Studien fehlen. Insbesondere im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel werben Hersteller mitunter mit gesundheitlichen Effekten, deren Beleglage unzureichend ist [8][10].
Potenzial für zukünftige Forschung
Trotz Kritik besteht Einigkeit darüber, dass Propolis aufgrund seiner komplexen Zusammensetzung und vielfältigen bioaktiven Verbindungen ein interessantes Forschungsobjekt ist. So könnte es beispielsweise in Bereichen wie Wundheilung, Dermatologie, Oralmedizin und Immunologie weiter erforscht werden [7][12]. In Zukunft wären gut designte, randomisiert-kontrollierte Humanstudien wichtig, um sowohl Wirkungsweisen als auch Sicherheit und Dosierung besser zu verstehen.
Propolis als Nahrungsergänzungsmittel
Formen und Darreichungsformen
Propolis gibt es in diversen Darreichungsformen auf dem Markt. Zu den gängigsten gehören:
- Tinkturen (Alkohol- oder Wasserbasis)
- Kapseln
- Pulver
- Lutschtabletten bzw. Pastillen
- Salben und Cremes
Als Nahrungsergänzungsmittel werden Propolis-Produkte meist oral eingenommen, wobei Kapseln und Tinkturen die häufigste Form darstellen. Tinkturen können in Flüssigkeiten gelöst oder direkt auf die Mundschleimhaut gegeben werden. Bei Kapseln ist die Dosierbarkeit einfacher, während Tinkturen oft intensiver schmecken und Alkohol enthalten können.
Für die äußere Anwendung, etwa bei Hautirritationen oder kleineren Wunden, gibt es Propolis in Form von Salben oder Cremes.
Qualitätsunterschiede auf dem Markt
Qualität ist eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf von Propolis-Produkten. Da Propolis nicht standardisiert ist und sich die Zusammensetzung stark unterscheidet, ist es für Verbraucher oft schwierig, den tatsächlichen Gehalt an aktiven Substanzen abzuschätzen. Seriöse Hersteller geben Auskunft über den Flavonoidgehalt oder andere Schlüsselkomponenten, führen Rückstandskontrollen durch und legen Labortests offen [9].
Ein weiterer Aspekt ist die Herkunft. Bienenstöcke in Gebieten mit geringer Umweltbelastung produzieren tendenziell saubereres Propolis. Manche Hersteller werben mit Zertifizierungen wie Bio-Siegeln oder anderen Prüfsiegeln, die zumindest eine gewisse Qualitätskontrolle nahelegen. Dennoch sollten Verbraucher stets kritisch prüfen, ob und wie umfangreich diese Siegel kontrolliert werden.
Dosierung und Verzehrempfehlungen
Bei der Dosierung gelten in der Regel die Herstellerangaben als erste Orientierung – diese variieren erheblich. Manche Hersteller empfehlen wenige Tropfen einer Tinktur pro Tag (z. B. 5–10 Tropfen), andere raten zu höheren Mengen. Bei Kapseln liegen die Vorschläge meist im Bereich von 300–500 mg Propolis pro Tag, teils mehr. Diese Empfehlungen basieren oft auf empirischen Werten der Hersteller oder auf traditionellen Anwendungserfahrungen [5].
Wissenschaftlich abgesicherte Referenzwerte existieren nicht, da es an umfangreichen Humanstudien fehlt. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat sich zu Propolis-Gesundheitsclaims meist skeptisch geäußert und fordert klarere Nachweise für bestimmte gesundheitsbezogene Aussagen [8]. Wer unsicher ist oder Propolis über längere Zeiträume und in höheren Mengen konsumieren möchte, sollte ärztlichen Rat in Anspruch nehmen. Insbesondere bei bekannten Allergien oder chronischen Krankheiten ist Vorsicht geboten. Zudem gilt: Bei anhaltenden Beschwerden oder Verschlechterung der Symptome ist ein Arztbesuch unabdingbar.
Rechtlicher Rahmen und Regularien
In den meisten europäischen Ländern wird Propolis als Nahrungsergänzungsmittel gehandhabt, sofern keine medizinische Indikation beansprucht wird. Damit unterliegt Propolis weniger strengen Regularien als Arzneimittel. Hersteller müssen zwar Sicherheit und Unbedenklichkeit gewährleisten, doch detaillierte Wirknachweise werden nicht verlangt [10]. Einige Länder haben Grenzwerte für Pestizidrückstände oder Schwermetalle festgelegt, diese unterscheiden sich jedoch je nach Land.
Besondere Vorsicht ist bei Anbietern geboten, die mit unzulässigen Heilversprechen werben. Solche Versprechen verstoßen gegen das Heilmittelwerbegesetz und sollten prinzipiell hinterfragt werden.
Tipps für Verbraucher
Worauf beim Kauf achten?
Wer Propolis als Nahrungsergänzungsmittel ausprobieren möchte, sollte auf folgende Punkte achten:
- Transparenz: Seriöse Hersteller veröffentlichen Analysen zum Gehalt an aktiven Substanzen sowie zu Rückständen.
- Zertifizierungen: Ein Bio-Zertifikat kann ein Hinweis auf eine geringere Pestizidbelastung sein, jedoch ist auch hier Sorgfalt geboten.
- Reinheit: Achten Sie auf Angaben zum Propolis-Anteil im Produkt. Ein hoher Anteil von Füllstoffen mindert die Qualität.
Lagerung und Haltbarkeit
Propolis-Produkte sollten kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden, um die enthaltenen bioaktiven Verbindungen zu erhalten. Tinkturen haben in der Regel eine recht lange Haltbarkeit, insbesondere wenn sie auf Alkoholbasis sind. Kapseln und Pulver können mit der Zeit an Wirksamkeit verlieren, wenn sie zu warm oder zu feucht gelagert werden [9].
Ergänzende Supplemente und Alternativen
Wer Propolis nutzt, kann alternativ auch auf andere Bienenprodukte (z. B. Gelée Royale, Honig oder Bienenpollen) oder Pflanzenstoffe (z. B. Curcumin, Ingwer, Knoblauch) ausweichen. Allerdings gelten auch für diese Alternativen teils ähnliche Einschränkungen hinsichtlich der Studienlage und Wirksamkeitsbelege [14].
Unser Fazit
Propolis ist eine komplexe, natürliche Substanz, die von Honigbienen aus pflanzlichen Harzen, Pollen und eigenen Sekreten hergestellt wird. Seit der Antike wird dieses „Bienenkittharz“ in vielen Kulturen geschätzt und für diverse Zwecke eingesetzt, von der Wundheilung über Mundspülungen bis hin zur oralen Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel. Zahlreiche in vitro- und Tierstudien deuten auf antimikrobielle, antioxidative und immunmodulatorische Wirkungen hin. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass belastbare Humanstudien in ausreichender Zahl und Qualität fehlen, um abschließende Aussagen über den tatsächlichen Nutzen zu treffen.
Vor allem die Variabilität von Propolis stellt eine Herausforderung dar: Je nach Herkunft, Bienenrasse und Umweltbedingungen schwankt die Zusammensetzung erheblich, was die Standardisierung und Vergleichbarkeit von Studien erschwert. Trotz zahlreicher Erfahrungsberichte und kleinerer Untersuchungen ist daher oft unklar, unter welchen Bedingungen Propolis nachweislich hilft und wann es eher Placebo-Effekten oder Zufall zuzuschreiben ist.
Als Nahrungsergänzungsmittel ist Propolis in vielen Ländern frei verkäuflich und unterliegt in der Regel nicht den strengen Arzneimittelregularien. Verbraucher sollten jedoch bedenken, dass auch natürliche Substanzen Nebenwirkungen wie Allergien auslösen können und dass mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten nicht ausgeschlossen sind. Bei ernsten oder langanhaltenden Beschwerden sollte ein Arzt konsultiert werden, da Propolis keine schulmedizinische Behandlung ersetzt.
Für wen könnte Propolis interessant sein? Grundsätzlich für Personen, die sich mit natürlichen Ergänzungen auseinandersetzen und experimentieren möchten, vorausgesetzt, es besteht keine Allergie oder Kontraindikation. Vorsicht ist geboten bei Menschen mit Neigung zu allergischen Reaktionen, bei chronischen Erkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme wichtiger Medikamente. Auch Schwangere, Stillende und Kinder sollten aufgrund der schwachen Datenlage auf eine Einnahme verzichten – zumindest bevor ein Arzt konsultiert wurde.
Quellen:
[1] Sforcin, J. M., & Bankova, V. (2011). Propolis: Is there a potential for the development of new drugs? Journal of Ethnopharmacology, 133(2), 253–260.
[2] Bankova, V. (2005). Chemical diversity of propolis and the problem of standardization. Journal of Ethnopharmacology, 100(1–2), 114–117.
[3] Salatino, A., Teixeira, E. W., Negri, G., & Message, D. (2005). Chemical composition and botanical origin of Brazilian propolis. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 53(11), 9648–9653.
[4] Hori, J. I., Zambelli, F. B., Bizerra, F. C., Campanelli, A. P., & Sforcin, J. M. (2013). Immunomodulatory properties of propolis and related compounds: A review. Journal of Functional Foods, 5, 270–281.
[5] Ghisalberti, E. L. (1979). Propolis: A review. Bee World, 60(2), 59–84.
[6] Gomes, A., Fernandes, E., Lima, J. L. F. C., & Holanda, M. (2021). Allergic contact dermatitis from propolis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 35(6), e333–e335.
[7] Yaghoubi, S. M. J., Ghorbani, Z., Ghazvini, K., & Bafrani, H. H. (2021). Propolis as a promising new therapeutic agent in dermatology: A review. Biomedicine & Pharmacotherapy, 139, 111840.
[8] European Food Safety Authority (EFSA). (2020). Guidance on the scientific requirements for health claims related to the immune system, the gastrointestinal tract and defence against pathogenic microorganisms. EFSA Journal, 18(11), 5950.
[9] Bogdanov, S. (2017). Propolis: Composition, Health, Medicine: A Review. In: Bee Product Science.
[10] World Health Organization (WHO). (2004). WHO guidelines on safety monitoring of herbal medicines in pharmacovigilance systems. WHO, Geneva.
[11] Machado, J. L. et al. (2012). Bactericidal activity of a new type of Brazilian propolis: Brown, red and green propolis. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2012, 1–7.
[12] Picolotto, A. et al. (2019). Anti-inflammatory potential of Brazilian red propolis: A review. Biomedicine & Pharmacotherapy, 115, 108988.
[13] Almeida, L. F. et al. (2017). Analysis of propolis from Southeastern and Northeastern Brazil: Identification of new prenylated cinnamic acids and trypanocidal activity of extracts. Phytomedicine, 24, 83–92.
[14] National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH). (2021). Propolis. U.S. Department of Health and Human Services.
[15] McLoone, P., Warnock, M., & Fyfe, L. (2021). Propolis in wound healing: A systematic review. Journal of Cosmetic Dermatology, 20(5), 1303–1316.